Die neue Katharina: Saus und Braus

Emons Verlag 2017

Katharina fährt zum Fasten ins beschauliche Murgtal. Zwölf Tage Ruhe und Entspannung warten auf sie, leider auch drei Leichen. Die erste kann Katharina noch ignorieren, die beiden anderen nicht mehr. Von Sauerkrautsaft und Fencheltee eher geschwächt als gestärkt, hängt die Spitzenköchin wieder mittendrin in einem Kriminalfall und muss sich mit radikalen Veganern und undurchsichtigen Schweizern herumschlagen. Doch Katharina wäre nicht Katharina, wenn ihre Spürnase ihr nicht auch bei diesem kniffligen Fall den Weg weisen würde.

Immer wenn ich ein neues Buch schreibe, merke ich, dass es keine Regeln für den Anfang gibt. Es überrascht mich immer wieder aufs Neue, womit es losgeht. Bei „Saus und Braus“ mit zwei Gebäuden, die ich auf sich gegenüberliegen Bergen stehen sah. Himmelreich und Rittersprung habe ich sie genannt, und erst nachdem sie „gebaut“ waren und ich mit ihren Besonderheiten vertraut war, nahmen Bewohner und Gäste der beiden Häuser Gestalt an. In „Saus und Braus“ tummeln sich etliche neue Figuren, aber auch altvertraute, allen voran Adela, Katharinas langjährige Freundin und Mitbewohnerin. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht, die beiden nach langer Zeit mal wieder gemeinsam ermitteln zu lassen.

Gefastet habe ich übrigens während des Schreibens nicht. Aber es reicht, mir die dünne Gemüsebrühe nur vorzustellen, von der sich Katharina und Adela tagelang ernähren müssen, um Hunger zu kriegen.

Steckbrief von Katharina

Katharina ist groß, schwer, rotlockig, hellhäutig, sommersprossig ... weiterlesen

Katharina ist unübersehbar. Als graue Maus könnte sie sich nicht mal an Karneval verkleiden.

Katharina ist nicht mehr jung noch nicht alt, irgendwo im Midlife-Durcheinander.

Als Kind knackt sie gerne Nüsse und stibitzt Kirschen aus fremden Gärten.

Mit zehn fragt sie sich, ob Indiana Jones bei der Suche nach dem Gral auch mal was Anständiges zu essen kriegt.

Mit zwölf gelingt ihr das erste Mandel-Soufflé.

Mit fünfzehn ist sie so groß wie ihre Mutter, leider auch so schwer.

Mit siebzehn wird sie Köchin. Lehrjahre in Straßburg, Florenz, Wien und Brüssel. Bleibt in Köln hängen. Eröffnet dort ein Restaurant auf der falschen Rheinseite.

Spitznamen: Fette Kuh, Streuselkuchen, Katharina, die Große.

Freunde: eine früh pensionierte Hebamme, ein Typ, der sich FK nennt, ein Polizist, der Zucchini züchtet, eine Elsässerin, die sich mit achtzig noch die Lippen rot malt.

Feinde: Die Schmierfinken der Online-Restaurantbewertung, die Bank, die ihr den überteuerten Kredit für ihr Restaurant angedreht hat.

Männer: Gerät gerne an den Falschen, kann da eine lange Liste aufweisen, gibt aber die Suche nach dem Richtigen nie auf.

Mutter: Die hätte sie gerne anders, die Katharina aber auch. Gefechte mit ihr, seit Katharina fünfzehn ist, dazwischen Waffenstillstand, der nie lange andauert.

Sie mag: Rinderbrühe mit Nudeln, Only Trust Your Heart von Diana Krall, Sekt und Selters, Menschen mit einem Hang zur Melancholie, Liebesgeschichten, die nachts beginnen.

Sie hasst: Sushi und Gambas, Kochshows im Fernsehen, Cocktails, blinden Ehrgeiz, Knalltüten, Liebesgeschichten, die am frühen Morgen enden.

Ihre drei schlechtesten Eigenschaften: Ungeduld, Gutgläubigkeit, Neugier

Ihr drei besten Eigenschaften: Humor, gesunder Menschenverstand, Neugier

Ihr Lieblingsort: Köln am frühen Morgen, kurz bevor der Großmarkt aufmacht.

Ihre Lieblingslandschaft: die Kirschbaumhügel der Ortenau im Frühling.

Heimat ist für sie: der Kachelofen in der Linde, der Küchentisch in der Kölner WG

Sie träumt von: Sternen und Gäbelchen und der Aufnahme in den Olymp der Köche. Leider wird daraus nichts, weil sie auf den Weg dorthin immer wieder über Leichen stolpert.

Katharina und ihre Autorin

Katharina Schweitzer ist fest davon überzeugt, dass sie sich schon längst einen Stern erkocht hätte, wenn sie nicht immer über Leichen stolpern würde. ... weiterlesen

Gelegentlich hadert die schwergewichtige Köchin, Hauptfigur in acht Romanen von Brigitte Glaser, deshalb mit ihrer Erfinderin. So auch im folgenden Gespräch:

Schweitzer: Wie bist du eigentlich auf die Idee gekommen, eine Köchin zur Hauptfigur deiner Krimis zu machen?

Glaser: Es gibt viele Krimis, in denen Detektive kochen oder gerne essen. Dreh das Ganze mal rum, habe ich gedacht, und so bist du entstanden.

Schweitzer: Dabei hast du gar keine Ahnung vom Kochen.

Glaser empört: Das stimmt nicht! Ich habe schon als Kind gewusst, was gut schmeckt.

Schweitzer lächelt mitleidig.

Glaser redet eifrig weiter: Und dann als Schülerin die vier Wochen in Paris bei Madame Kauffmann. Französische Küche rauf und runter, Artischocken, Hummer, normannischer Käse, all das hab ich bei ihr zum ersten Mal gegessen.

Schweitzer: Schon recht. Gut essen tun viele Leute gern.

Glaser: Kochen kann ich auch.

Schweitzer: Am heimischen Herd …

Glaser: Stimmt. Aber durch dich habe ich mich mit professionellem Kochen beschäftigt, und das ist wirklich etwas anderes. Ich habe mit Kollegen von dir geredet, in Restaurant-Küchen Mäuschen gespielt, Biografien von Köchen gelesen, mich in Koch-Logistik vertieft, 2011 sogar zehn Tage in einer Restaurant-Küche geschuftet.

Schweitzer zuckt mit den Schultern, bevor sie sagt: Allzu viel davon ist nicht in deine Bücher eingeflossen.

Glaser: Jetzt sei mal nicht kleinlich. Im „Leichenschmaus“ erfahren die Leser viel über Arbeitsabläufe in einer Küchenbrigade, in der „Eisbombe“ einiges über Kochausbildung und in „Himmel un Ääd“ beschreibe ich den Stress in der Küche, wenn wirklich die Post abgeht.

Schweitzer: Da pickst du dir natürlich die schönen und interessanten Seiten des Berufs heraus. Was ist mit Kalkulation, Warenwirtschaft, Werbestrategien? Was mit Finanzierungskonzepten? Damit müssen wir Köche uns auch herumschlagen. Und nicht zu knapp.

Glaser: Na ja. Das ist für die Leser so interessant wie eine Steuererklärung.

Schweitzer regt sich auf: Gastronomie ist ein Kamikaze-Geschäft. Du kannst schnell nach oben katapultiert werden, aber genauso schnell Bankrott machen. Der psychische Druck, unter dem du stehst, so was muss doch gut für einen Krimi sein.

Glaser: Na klar! Hast du schon vergessen, in was für finanziellen Schwierigkeiten du in der „Mordstafel“ gesteckt hast?

Schweitzer: Hab ich verdrängt. Das war wirklich eine Scheißzeit. Zu wenig Gäste, die Bank im Nacken, die Leiche vor der Tür und die Schutzgelderpresser. Ich war mit den Nerven am Ende und hatte kaum Luft geschnappt, da kamen Arîn und der Mord in der Berufsschule, dann der Ärger mit dem Vermieter der Weißen Lilie und mit Ecki, dem Verräter. Den Trubel im Elsass, nicht zu vergessen. Irgendwie könntest du mir mal eine Ruhepause gönnen, damit ich mich endlich um den Stern kümmern kann.

Glaser: Jetzt sei mal nicht kleinlich. Seit über drei Jahren kochst du friedlich in der Weißen Lilie.

Schweitzer: Und? Waren die Michelin-Tester schon da? Hab ich jetzt einen Stern?

Glaser lenkt ab und meint: Ich finde, es wird Zeit, dass mal wieder was passiert.

Schweitzer mault: So krieg ich nie meinen Stern.

Glaser: Ist jetzt für Krimis nicht so wichtig, wenn ich das sagen darf.

Schweitzer seufzt, dann: „Spuck ´s schon aus! Was hast du diesmal vor?“

Glaser: Ich schick dich zur Kur.

Schweitzer winkt ab: Für so was habe ich gar keine Zeit.

Glaser: Oh doch. Zwangspause wegen Tennisarm.

Schweitzer, empört: Sehnenscheidenentzündung? Weißt du, wie schmerzhaft das ist? Kannst du mir mal verraten, warum ich leiden soll?

Glaser: Weil du die Weiße Lilie ohne Leidensdruck nie allein lassen würdest.

Schweitzer: Stimmt. Kur sagst du? Warum nicht? Ein schönes Ostseestrandbad, Rügen vielleicht, da war ich noch nie. Wind und Wellen, jeden Abend Fisch. Kommt Luc mit?

Glaser: Nein, aber Adela. Ihr fahrt zum Heilfasten in den Schwarzwald.

Schweitzer: Heilfasten? Du spinnst wohl.

Glaser: Hungern wird auch für dich eine interessante Erfahrung sein.

Schweitzer: Und dann halluziniere ich wahrscheinlich ein paar Leichen, um mich vom Hungern abzulenken?

Glaser: Die brauchst du nicht zu halluzinieren.

Schweitzer: Hört das denn nie auf? Wie lange willst du mir denn noch Leichen in den Weg legen? Meinst du etwa, das macht mir Spaß?

Katharina redet sich in Fahrt, und Glaser verabschiedet sich schnell.

Katharinas Lieblingsrezept

Frühlingsgemüse auf Blätterteig ... weiterlesen

Frühlingsgemüse auf Blätterteig

Diese Vorspeise hat Katharina von ihrem letzten Paris-Ausflug mitgebracht. Zitronen-Confit in Kombination mit einem Majoran-Öl machen den besonderen Kick des Rezeptes aus.

Zutaten für 4 Portionen:

4 TK-Blätterteigplatten

200 g grüner Spargel

200 g Kohlrabi

200 g Möhren

8 Frühlingszwiebeln

2 kleine Rote Beete

5 Stängel frischer Majoran

1 kleine Knoblauchzehe

50 ml feines Olivenöl

2 EL Butter

1 EL Honig

3-4 EL püriertes Zitronen-Confit

Pfeffer, Salz

Zubereitung:

Majoranblätter abzupfen und fein schneiden, Knoblauch schälen und durch die Presse drücken. Beides mit dem Olivenöl in einen hohen Mixbecher geben, mit Salz und Pfeffer würzen, mit dem Pürierstab zerkleinern und am besten ein paar Stunden ziehen lassen. Eine halbe Stunde vor dem Essen: Grüner Spargel waschen und die Enden abschneiden, Kohlrabi und Möhren schälen und in längliche in etwa gleichgroße Stifte schneiden. Frühlingszwiebeln säubern und waschen.

Blätterteigplatten auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech legen und nach Gebrauchsanweisung im Ofen backen. Rote Beete schälen und in dünne Scheiben schneiden. (Vorsicht, färbt! Besser mit Handschuhen arbeiten.) Honig und ½ EL Butter in einer Pfanne zerlassen, Rote-Beete-Scheiben zufügen, mehrfach wenden, bei kleiner Hitze 10 bis 15 Minuten knackig dünsten. In einer großen Pfanne die restliche Butter zerlassen, Möhren, Kohlrabi und Spargel zugeben und 5 -8 Minuten knackig dünsten, 2 Minuten vor Schluss die Frühlingszwiebeln zugeben. Das Gemüse mit Salz und Pfeffer würzen. Je eine Blätterteigplatte auf einen großen Teller legen, das Gemüse dekorativ darauf verteilen (der Blätterteig ist durchs Backen aufgegangen, es macht nichts, wenn durch das Gemüse die oberster Blätterteigschicht platzt), die Rote Beete zuletzt auftun, püriertes Zitronen-Konfit und Majoran-Öl darauf verteilen. So noch vorhanden, mit ein paar Majoran-Stängel dekorieren. Sofort servieren.

Assassino à la carte

Emons GIALLI TEDESCHI 2017

„Assassino à la carte“ heißt „Mordstafel“ auf Italienisch, anstelle der Früchte auf dem Originalcover lockt ein türkischer Mokka auf orientalischen Kacheln, und der Untertitel lautet: Die Köchin Katharina und die türkische Mafia. Alessandra Petrelli hat dieses Buch übersetzt.

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„Assassino à la carte“ ist auch der Anlass für die Einladung von Emons-Italia zum Literaturfest Massenzio in Rom, das 2017 dem Giallo Tedesco, dem deutschen Krimi, gewidmet ist. Dort stelle ich allerdings nicht die neue Katharina vor, sondern spreche wie alle Autoren und Autorinnen des Festivals über ein Buch, das mich besonders inspiriert hat. Ich habe mich für Truffauts „Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht?“ entschieden, ein Buch, das für mich immer wieder ein Quell der Inspiration ist.

Morte sotto spirito

Emons GIALLI TEDESCHI 2016

Die Italiener finden Gefallen an Katharina. Im Frühjahr 2016 erscheint mit „Morte sotto spirito“, Katharinas zweiter Fall „Kirschtote“, auf Italienisch, wieder übersetzt von Antonella Salzano. Auf der Buchmesse in Turin habe ich Antonella kennengelernt, und sie erzählte von ihrer Arbeit.

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So musste sie sich beispielsweise mit dem deutschen, insbesondere dem badischen Brennrecht vertraut machen, weil es etwas Vergleichbares in Italien nicht gibt. Auch alle Dialektpassagen empfand sie als riesige Herausforderung. An dem „No numme nid huudle“ von Kuno Eberle ist sie fast gescheitert. Aber dann hat sie im Netz eine Seite mit deutschen Dialekten und ihre Übersetzung in Italienische gefunden und konnte den Satz mit einem italienischen Sprichwort, das sinngemäß „immer langsam“ bedeutet, übersetzt.

Dellito al pepe rosa

Emons GIALLI TEDESCHI 2015

„Dellito al pepe rosa“, so heißt der erste Katharina-Schweitzer-Roman „Leichenschmaus“ auf Italienisch. Ganz hervorragend übersetzt, so wurde mir, die ich leider kein Italienisch spreche, versichert, von Antonella Salzano.

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Auf Einladung des Goethe Instituts Neapel und des Emons Verlags habe ich das Buch im Mai 2015 auf einer spannenden Lesereise in Neapel, Rom und Mailand vorgestellt. Lesungen wie bei uns in Deutschland sind in Italien bei Buchpräsentationen nicht üblich. Man bittet im Vorfeld Journalisten und Fachleute, das Buch zu lesen, und lädt sie zum Gespräch mit der Autorin ein. Die Kombination von Krimi und Kochen gibt es auch in der italienischen Kriminalliteratur, aber eine selbstbewusste Köchin als Hauptfigur wohl noch nicht. Katharina, die sich in einer Männerdomäne behauptet und auch noch Mordfälle löst, gefiel den italienischen Rezensenten. Die Kochbegeisterten unter ihnen wollten wissen, ob es in Deutschland tatsächlich so viele Kartoffelsorten gibt, wie im Buch beschrieben.

Die größte Überraschung auf dieser sehr interessanten Reise erlebte ich in Rom. Dort stand Katharina quicklebendig und leibhaftig in Gestalt der italienischen Kochbuchautorin und Fernsehköchin Luisanna Messerie vor mir. Groß, schwer, rotlockig und sommersprossig. Als wäre Katharina nicht meiner Fantasie entsprungen, sondern würde schon lange in Italien ein Eigenleben führen. In Englisch radebrechten wir zwei übers Kochen und das Leben. Am Ende unseres Gespräches fuhr Luisanna mit einer himmelblauen Vespa und wehendem Haar davon. Ich überlege jetzt, ob eine Vespa für Katharina möglicherweise auch ein geeignetes Transportmittel ist. Zumindest in Köln …

„111 Rezepte aus Italien, die man gekocht haben muss“ von Luisanna Messerie erscheint im Mai 2016 im Emons Verlag.

Bibbeleskäs

Emons Verlag, 2013

Ein Wettkochen krönt das Fest, mit der Katharinas Heimatdorf und das elsässische Schwerwiller fünfundvierzig Jahre grenzüberschreitende Partnerschaft feiern. Am Morgen danach liegt ein Toter im Aubach, und der ist keineswegs zufällig in den Bach gestürzt. 

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Die Badener sind bestürzt, die Elsässer fangen an, Französisch zu reden – die deutsch-französische Freundschaft ist in Gefahr.
Katharina steckt ihre Spürnase in diesen Fall und verheddert sich in einem Netz dörflicher Intrigen und alter Familiengeheimnisse rechts und links des Rheins.

Was passiert, wenn in einem elsässischen Bach eine deutsche Leiche liegt? Natürlich ermittelt die französische Polizei, aber kann diese Zeugen auch in Deutschland befragen? Das und noch viel mehr will ich wissen, als ich das Gemeinsame Zentrum der deutsch-französischen Polizei in Kehl besuche. Gar nicht so einfach ist das alles, erfahre ich, wie auch die badisch-elsässische Geschichte des zwanzigsten Jahrhunderts alles andere als einfach war. Sie spielt in „Bibbeleskäs“ eine große Rolle, denn das Motiv für den ersten Mord liegt in der Zeit des Faschismus, als die Nazis versuchten, das Elsass zu einem deutschen Muster-Gau zu machen.

Himmel un Ääd

Emons Verlag, 2012

Kann man seinem Liebsten trauen? Diese Frage plagt die Spitzenköchin Katharina Schweitzer, nachdem ihrer Spülfrau Minka verschwindet. Hat Ecki etwas mit deren Verschwinden zu schaffen? Aber nicht nur ihre Liebe zu Ecki, auch das Überleben der Weißen Lilie steht auch dem Spiel.

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„All- inclusive“, eine neue Restaurantkette, mischt durch einen schonungslosen Verdrängungswettbewerb die Kölner Restaurantszene auf. Katharina holpert durch viele Schlaglöcher, bevor die sie Ärmel ihrer Kochjacke hochkrempeln und ihre erprobte Spürnase einsetzen kann. Sie stößt auf zwei Leichen und eine perfide Melange aus Habgier und Schaumschlägerei …

Um eine professionelle Köchin wie Katharina lebensnah beschreiben zu können, rede ich immer wieder mit Köchinnen und Köche, lasse mir Restaurant-Küchen zeigen, höre genau hin, wenn es um Schwierigkeiten, Sorgen und Nöte in der Gastronomie geht. Bevor ich „Himmel un Ääd“ in Angriff nehme, erfülle ich mir einen lang gehegten Wunsch. Einmal möchte ich selbst in einer Koch-Brigade stehen. Nicht beobachtend am Rande, sondern mittendrin. Bettina Hoffmann, die das wunderbare Restaurant „Schindelsee“ im fränkischen Steigerwald betreibt, lässt diesen Wunsch wahr werden. Zehn Tage schufte ich mit ihrer kleinen Brigade zu absoluten Hochsaison-Zeiten. Jetzt weiß ich, wie in einer Küche die Post abgeht, wenn in einem ausgebuchten Restaurant hungrige Gäste sitzen. Und ich weiß, dass ich einen Kochposten in meiner „Weiße-Lilie“-Brigade immer vergessen habe. Den Spülposten. Wenn sich nämlich das dreckige Geschirr auf Pass und Arbeitsflächen stapelt, geht in einer Küche gar nichts mehr. Wen wundert es, dass die Spülfrau Minka nun in „Himmel un Ääd“ eine wichtige Rolle spielt?

Bienen-Stich

Emons Verlag, 2009

Die Spitzenköchin kehrt zurück nach Hause.

Nach dem plötzlichen Tod ihrer Patentante Rosa erbt Katharina deren Haus und Hof. Bald mehren sich ihre Zweifel an dem angeblich natürlichen Tod der alten Frau. Wer ist in ihr Haus eingebrochen? Warum hat Rosa sich geweigert, ihre Felder als Bauland zu verkaufen?

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Und wohin sind ihre Bienenstämme verschwunden? – Um die Rätsel zu lösen, muss Katharina tief in Rosas Geschichte eintauchen – und damit auch in ihre eigene Vergangenheit.

Im Frühjahr 2008 sterben am Oberrhein zwölftausend Bienenvölker. Als ich zum ersten Mal von diesem Bienensterben höre, bin ich ganz elektrisiert. Was der Tod der Bienen mit Erderwärmung, Globalisierung und Industrialisierung der Landwirtschaft zu schaffen hat, finde ich nicht nur für meine Köchin Katharina spannend, sondern auch politisch hoch interessant. Für den Krimi brauche ich in Katharinas Umfeld einen Bienenzüchter. Es muss jemand sein, der über die Bienen hinaus eng mit ihr verbunden ist. Eine Patentante, Rosa. Rosa, die ihr in jungen Jahren Schutz und Geborgenheit bietet, wenn Katharina mal wieder Ärger mit ihrer Mutter Martha hat. Überhaupt dieses schwierige Mutter-Tochter-Verhältnis. Ist es nicht an der Zeit, dem Leser mehr davon zu erzählen?

Eisbombe

Emons Verlag, 2007

Arîn Kalay, Katharinas kurdische Auszubildende, gerät unter Mordverdacht. Im Altenheim gegenüber von Katharinas Restaurant Weiße Lilie wird eine in Beton gegossene Leiche entdeckt. – Zwei Mordfälle, die weder auf den ersten noch auf den zweiten Blick etwas miteinander zu tun haben,

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bringen den Alltag in der Weißen Lilie gründlich durcheinander, und Katharina sieht sich gezwungen, ihre feine Kochnase erneut als Spürnase einzusetzen.

Mit den Katharina-Romanen habe ich mich auf eine Ich-Erzählung festgelegt, bei der Eisbombe merke ich, dass ich gerne mal etwas anderes ausprobieren will. Aber kann man in einer Serie plötzlich die Erzählhaltung ändern? Ich versuche es mit einer behutsamen Form. Katharinas Freundin Adela bekommt eine eigene kleine Erzählperspektive, der Haupterzählstrang bleibt bei Katharina und der Ich-Erzählung. Damit die Geschichte Hand und Fuß kriegt, treffe ich mich mit meiner Plot-Sparringspartnerin Martina Kaimeier. Die erste Runde endet mit einer totalen Niederlage, sprich von meiner ersten Idee für die Eisbombe bleibt wenig übrig. Also aufstehen und weiterkämpfen, Schläge einstecken, Schläge austeilen, am Ende „steht“ die Geschichte. Katharina wird vierzig, die biologische Uhr tickt bedrohlich. Sind Kinder ein Thema für sie? Ohne festen Partner? Mit der Weißen Lilie als Arbeitsplatz? Sie bildet in dieser Geschichte einen Lehrling aus. Arîn, eine junge Kurdin. Die hat Ärger in der Berufsschule, der Typ, der sie am meisten piesackt, bricht bei einer Kochprüfung tot zusammen. Ist Arîn eine Mörderin?

Es gibt vieles, was ich am Schreiben liebe, aber Recherchieren gehört zum Schönsten überhaupt und macht bei diesem Buch besondere Freude. Was müssen Köche in ihrer Ausbildung lernen? Was müssen sie für die theoretische, was für die praktische Prüfung können? Bei einer praktischen Prüfung darf ich zusehen: verbrannte Kekse, halbgare Hühner, Schnittwunden und Tränen. Aber nicht nur das Kochen will recherchiert werden, auch die Krimidetails müssen stimmen. Wie, zum Beispiel, sieht eine Leiche aus, die jahrelang in Beton eingeschlossen war?

Mordstafel

Emons Verlag, 2005

Auf der schäl Sick, am Ende der Keupstraße in Köln-Mülheim verwirklicht Katharina ihren Traum vom eigenen Restaurant. Doch die Weiße Lilie steht unter keinem guten Stern. Trotz der schicken Medienszene auf der Schanzenstraße bleibt der große Ansturm aus, und Katharina kann ihre Schulden nicht bezahlen.

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Da tut sich völlig unerwartet eine Geldquelle auf. Leider ist diese mit einem Mord vor ihrer Haustür, dem Verschwinden ihrer Putzfrau und dem Ärger mit Schutzgelderpressern verbunden. Diesmal braucht Katharina mehr als ihre gute Spürnase, um sich aus dem Schlamassel herauszuwinden.

In den ländlichen Regionen Frankreichs findet man noch hie und da ein „table d´hôte“, wo eine alte Form der Gastfreundschaft gepflegt wird. Die Wirtin serviert ein Menü, und das essen alle Gäste gemeinsam an einem Tisch. Warum sollte so etwas nicht in einer Großstadt funktionieren?, frage ich mich bei der Konstruktion der Mordtafel und lasse Katharina mit diesem Konzept ihr Restaurant „Weiße Lilie“ eröffnen. Nach einem geeigneten Standort dafür suche ich lange in Köln, bis ich im rechtrheinischen Mülheim fündig werde. In Mülheim prallen untergehende Stahlindustrie auf hippe Medienszene, das „Klein-Istanbul“ der Keupstraße auf die schicken Neubauten am Rhein. Ein Stadtteil voller Gegensätze, selten schön, aber immer voll prallem Leben. Der ideale Ort für ein solches Restaurant, findet Katharina, aber leider nicht ihre Gäste. Sie kommen keineswegs in Scharen, sie kann ihre Schulden nicht bezahlen. Geld liegt nicht auf der Straße, oder doch? Um Versuchung geht es in diesem Buch. Wie hoch muss die Summe sein, damit man schwach wird? Ich frage alle Freunde und Bekannte, welche Summe sie in Versuchung bringen könnte. Die Antworten fallen sehr unterschiedlich aus, bewegen sich zwischen zehn Tausend und einer Million. Für welche Summe wird Katharina schwach?

Kirschtote

Emons Verlag, 2004

Ein Unfall der Mutter führt die Sterneköchin Katharina Schweitzer wieder in ihre badische Heimat. Kaum zurück findet sie in einem Steinbruch die Leiche von Konrad Hils.

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Der Mann war Wortführer der Gegner einer geplanten Allwetter-Skihalle, ein Projekt, das die Bevölkerung der Region spaltet wie kein zweites. Natürlich stellt die örtliche Presse sofort eine Zusammenhang zwischen Hils´ Ermordung und der Skihalle her, aber Katharina ist sich da nicht so sicher. Auf die richtige Spur führt sie letztendlich das berühmteste Getränk der Region: das Schwarzwälder Kirschwasser.

Schwarzbrennen ist die erste Idee, die ich je zu einem eigenen Krimi entwickelt habe, und die grabe ich für den zweiten Katharina-Roman aus. Dörfliche Brennküchen kenne ich aus meiner Kindheit, und schon immer wollte ich wissen, wie man die Zöllner betrügen und in was für Schwierigkeiten man dadurch geraten kann. (Den ungewöhnlichen Buchtitel verdanke ich einem alten Freund, der mir von einer Südamerikareise das Foto eines Konditoreischaufensters mitbrachte, in dem auf einem Schild „Schwarzwälder Kirschtote“ geschrieben stand.) Als ich bei der Recherche im Badischen mit Brennern rede, wird mir ein zweites Thema für die Kirschtote regelrecht aufgedrängt. Jeder, den ich treffe, spricht von der geplanten Indoor-Skihalle am Breitenbrunnen.

So ein Thema darf man auf keinen Fall verschenken, also frage ich mich, was das Schwarzbrennen mit der Skihalle zu tun haben könnte, wer deswegen sterben muss und wie Katharina ermitteln wird. In Kirschtote geht es ihr gar nicht gut. Die alten Konflikte mit ihrer Mutter kochen hoch, und die Morde aus dem „Leichenschmaus“ drücken schwer auf ihrer Psyche. Sie ist sehr dünnhäutig in dieser Geschichte, so verletzbar wie in keiner anderen.

Leichenschmaus

Emons Verlag, 2003

Katharina Schweitzer ist überglücklich, als sie in Köln eine Stelle im Goldenen Ochsen bei Hugo Spielmann bekommt, dem Star am deutschen Köche-Himmel. Katharina will eigentlich nur eines: kochen. Aber als der Küchenchef erstochen in einer Mülltonne gefunden wird,

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vergeht ihr die Lust dazu. Sie benutzt ihre feine Kochnase als Spürnase, und irgendwann führen alle Spuren in den Goldenen Ochsen. Einer ihrer Kollegen muss der Mörder sein.

Der erste Roman mit Katharina Schweitzer! Als ich anfange zu schreiben, habe ich eine klare Vorstellungen, wie sie arbeitet – als ehrgeizige Köchin in großen Restaurants - und wie sie ausschaut: groß, gewaltig, rotlockig, unübersehbar. Äußerlich das glatte Gegenteil zu mir. Bis heute finde ich es gut, dass ich sie mir so ausgedacht habe, immer noch macht es Spaß, in eine Figur einzutauchen, die auf Männer herabschauen kann. Von ihrer Psyche habe ich damals noch wenig Ahnung, Katharina ist im wahrsten Sinne des Wortes „ein unbeschriebenes Blatt“, aber, nachdem ich Ang Lees wunderbaren Film „Eat, Drink, Man, Woman“ gesehen habe, weiß ich, in was für eine Geschichte sie hineingerät. Der Krimi hat natürlich etwas mit Kochen zu tun, und von Kochen verstehe ich was. Für Leichenschmaus tauche ich erstmals in die Welt des Profikochens ein: Arbeiten unter Hochdruck auf engstem Raum, extreme Hitze, rauer Umgangston, scharfe Konkurrenz. Was geschieht, wenn in so einer Arbeitsatmosphäre, einem solchen „locked room“ ein Mord geschieht?